Mittwoch, Dezember 12, 2018
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B. Originalität und Echtheit


Zur Untersuchung der Fragestellung, ob dem Käufer einer Kunstfälschung die Ansprüche aus der Mängelhaftung und die Möglichkeit der Anfechtung zur Verfügung stehen, ist zunächst zu untersuchen, was eigentlich eine Kunstfälschung ist.

Hierbei werden regelmäßig verschiedene Begrifflichkeiten genutzt, deren Inhalt von zentraler Bedeutung ist, um eine Fälschung zu bestimmen. 

 

I. Original und Fälschung

1. Das Original

Im Kunsthandel gilt zumeist die Devise: „Das Original ist besser als die Kopie“. Rechtlich hat die Einstufung Bedeutung in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel dem Folgerecht§26 UrhG">5, Urheberstrafrecht6, Umsatzsteuerrecht und Zollfreiheit und insbesondere das hier betrachtete Kaufrecht. Doch wann sprechen wir eigentlich von einem Original? 

Das Original ist das ursprüngliche Werk des Schöpfers. Hierbei ist die Frage der Authentizität zunächst noch nicht betrachtet.

 

2. Arten von Originalen

Es gibt verschiedene Arten von Originalen

a) Unikate eines bekannten Urhebers

Am leichtesten gelingt die Einstufung eines Unikates mit einem bekannten Urheber. 

b) Anonyme Unikate

Teilweise ist vor allem bei alten Werken der Schöpfer jedoch nicht mehr zu ermitteln. Es handelt sich in diesen Fällen um anonyme Unikate. Vielfach wird vertreten, dass die Originalität oder auch Authentizität sich dann auf die Zuordnung zu einer bestimmten Stilepoche bezieht. Dies kann auch lokal eingegrenzt sein7. Stammt das Werk aus dem Schaffenskreis, handelt es sich um ein Original.

c) Ars multiplicata

Des Weiteren existieren auflagenlimitierte Werke der seriellen Kunst (ars multiplicata), die als Original angesehen werden, wenn sie aus der ursprünglichen ersten Herstellungsserie stammen. 

d) Restaurierte und „gestreckte“ Werke

Letztlich gibt es noch restaurierte und „gestreckte“ Werke. Trotz ihrer Aufarbeitung oder gar Erweiterung können diese immer noch ein Original darstellen. Teilweise wird vertreten, dass die Wesensveränderung im Hinblick auf den Aussagegehalt des Werkes darüber entscheidet, ob dieses noch als ein Original trotz der Restaurierungen einzustufen ist. Dem wird entgegengehalten, dass diese auf dem subjektiven Empfinden des Betrachters fußt und auch in einer Expertise eines Kunstsachverständigen zu verschiedenen Ergebnissen führen würde. Soweit die Restaurierungen sich in bloßen Säuberungen erschöpfen dürfte dies im Gegensatz zu Ergänzungsarbeiten kein Grund für die Annahme eines Mangels sein.

 

II. Echt und Unecht

In engem Zusammenhang mit dem Begriff des Originals steht die Frage nach der Echtheit eines Werkes. Bei der Beurteilung spielen viele kunstwissenschaftliche Aspekte eine Rolle. Hieran besonders problematisch ist die Tatsache, dass auch eine Kopie „echt“ sein kann, wenn sie nicht vorgibt, das Original zu sein. Auch ein als Replikat verkauftes Werk eines „Fälschers“ kann echt sein, soweit die ihm zugeschriebenen Attribute der Wahrheit entsprechen.

Ein Werk als solches ist demnach stets echt, lediglich die Zuordnung kann falsch und somit unecht sein. Daher ist ein Werk dann unecht, wenn es nicht von dem behaupteten Künstler (soweit dieser bezeichnet ist) oder aus der behaupteten Epoche (soweit der Künstler nicht feststellbar ist) stammt. Hierbei kann auch die wissentlich aufrecht erhaltene, unwidersprochene falsche Annahme der begutachtenden Person als Bezugspunkt für die Zuordnung genommen werden, die dazu führt, dass ein Werk aus unecht einzustufen ist. Die Beurteilung der Echtheit ist daher immer mit einer subjektiven Erwartungshaltung verbunden. Daher schlägt Wrede vor, besser von authentisch zu sprechen, um diesen Zusammenhang zu verdeutlichen.8

Umstritten ist die Frage inwieweit die Echtheit durch Restaurierungen tangiert wird. Insbesondere steht die Frage im Vordergrund, wie weit die Veränderungen des Werkes gehen dürfen, um noch dem Originalcharakter zu entsprechen und dieses nicht grundlegend zu verändern.


Der Mann mit dem Goldhelm – nicht mehr Rembrandt zugeschrieben, doch einst als Musterbeispiel seines Stils angesehen– Quelle: Wikipedia

Die Problematik des Anteils der Arbeit des Restaurators verschärft sich noch mehr, wenn bei der Werkentstehung schon mehrere mitwirkten und somit als Miturheber anzusehen sind. Insbesondere im Falle von Werkstattarbeiten oder der Beteiligung der Meisterschüler ist es daher umstritten, wann überhaupt noch ein echtes Original vorliegt. So wurden die Mehrzahl der ursprünglich Rembrandt zugeschriebenen Werke abgeschrieben, da sie nicht von ihm, sondern lediglich aus seiner Werkstatt stammten. Dies gab ihm nach den damaligen Statuten das Recht, sie mit seiner Signatur zu versehen und somit die Zuschreibung eines Rembrandt zu verleihen9

Hierbei sind insbesondere der Grad der Beteiligung anderer und die Offenlegung von entscheidender Bedeutung, da wie bereits beschrieben die Echtheit durch die Übereinstimmung von behaupteter Zuschreibung und wahrem Schöpfungsursprung bestimmt wird.

III. Die Fälschung

Kunstfälschungen sind Nachbildungen oder auch Veränderungen eines Werkes, die mit der betrügerischen Absicht erstellt werden, den falschen Eindruck zu erwecken, die Schöpfung eines bestimmten Künstlers zu sein oder aus einer bestimmten Epoche zu stammen. Sie werden geschaffen durch:

  • das Kopieren bestehender Werke,
  • die Nachahmung  bzw. Neuschöpfung typischer Stilelemente, Motive und ähnlicher Kriterien eines Künstler oder einer Stilepoche

Eine Fälschung charakterisieren 2 Komponenten. Dies ist zum einen die objektive Komponente, die darin besteht, dass eine objektive Verfälschung vorliegt. Das Werk ist etwas anderes.

Zum anderen die subjektive Verfälschung, die auf der Wahrnehmung des Getäuschten beruht, bei dem eine falsche Vorstellung über die Authentizität des Werkes besteht oder erweckt wird. 

Durch das Zusammenwirken dieser 2 Aspekte ist ein Werk als eine Fälschung zu betrachten, da es vorgibt oder erscheint etwas anderes zu sein als es de facto ist.

Problematisch ist jedoch, wann die fehlende Originalität zu einem Mangel wird. Hierfür sei es Voraussetzung, so wird vertreten, dass mindestens eine der Parteien von der fehlenden Authentizität weiß. Dem ist entgegenzuhalten, dass eine Fälschung auch in dem Moment schon vorhanden ist, wo lediglich die objektiv andere Urheberschaft und subjektive Fehlvorstellung vorliegt. Beim Zusammenwirken dieser Komponenten liegt bereits eine Unechtheit vor, die zu einem Mangel wird, wenn die Echtheit vertraglich vorausgesetzt war oder auf andere Weise geschuldet ist.

Das Wissen des Verkäufers um die Unechtheit beim Verkauf und die Täuschung es handele sich um ein echtes Werk ist nicht zwingend, sondern es handelt sich ebenfalls um eine Fälschung, wenn das Werk mit der Täuschungsabsicht geschaffen wurde, sich als ein Original zu gerieren und dies als echt angesehen wird. 

 

1. Arten von Fälschungen

Es gibt verschiedene Arten von Fälschungen, die unter anderem danach unterschieden werden können, was sie versuchen zu imitieren oder darzustellen. Im Alltag kommt es häufig zu begrifflichen Vermischungen, die inkorrekter Weise die falsche Art von Täuschung bezeichnen.

 

a) Das Plagiat und Pasticcio

Hierbei handelt es sich um die Schöpfung eines anderen, von der jemand jedoch unwahr behauptet, es sei dessen eigenes Werk.

 

b) Die Kopie (Meisterkopie)

Die Kopie ist eine Reproduktion des ursprünglichen Werkes. Auch wenn von dieser nicht behauptet wird, es handele sich um das Original, lässt das Urheberrecht eine solche Vervielfältigung erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers zu. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine vollständige Fälschung, da die subjektive Komponente der Täuschung, es handele sich um das Original nicht vorhanden ist.

 

c) Fälschung (Identfälschung)

Eine Identfälschung ist eine Kopie eines bestehenden Originals (objektive Komponente) mit dem (falschen) Hinweis, es handele sich um das Original des Künstlers (subjektive Komponente).

 

d) Falsifikat (Stilfälschung)

Ein Werk, das den Stil eines Künstlers imitiert und den Eindruck vermittelt, es stamme von jenem Schöpfer (objektive Komponente) mit dem (falschen) Hinweis, es handele sich um ein Original (subjektive Komponente), wird als Stilfälschung bezeichnet.

 

e) Replik / Selbstzitat (Eigenkopie)

Als Eigenkopie in Form der Replik oder des Selbstzitates wird eine vom Künstler selbst erstellte Kopie des eigenen Originals bezeichnet. Hierbei ist jedoch die Ursprünglichkeit nicht mehr gegeben, so dass es sich nicht um das Original des Werkes handelt (objektive Komponente) und es wird zu einer Fälschung, wenn es als solches erscheinen soll.

Hiervon ausgenommen sind deutliche Variationen oder Fassungen des ursprünglichen Werkes, die soweit sie keine reine Kopie sind auch als echt angesehen werden, wenn ihnen hinreichend Eigenständigkeit zugeschrieben werden kann und sie nicht als Ursprungswerk erscheinen.10

 


Théodore Géricault - Le Radeau de la Méduse esquisse Original und 2 verschiedene Studien

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