Donnerstag, Juni 22, 2017
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DAS JURISTISCHE INFORMATIONSPORTAL DER JUDIKATOREN

Das Kunstrecht setzt sich aus vielen Bereichen zusammen. Kunst ist auch eine Handelsware und begegnet hier den üblichen juristischen Schwierigkeiten des Kaufrechts. Wenn die Kunst sich als Fälschung herausstellt, ergibt sich meist die Frage, wie man juristisch gegen die Kunstfälschung vorgehen kann. Der folgende Aufsatz vermittelt die zivilrechtlichen Grundlagen bei der Geltendmachung von Ansprüchen.

 

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A. Entstehungsgeschichte von Kunstfälschungen

I. Thematischer Überblick und Problemstellung für das Kaufrecht

Kunst und Recht sind zwei scheinbare Antonyme die sich durch ihren gegenläufigen Charakter in einem steten Spannungsverhältnis zwischen freier kreativer Entfaltung bzw. der Schöpfung, die keinen starren Regel und Gesetzen unterliegt und der Notwendigkeit der Ordnung von Interaktion und Eigentum in der Gesellschaft durch Recht und Gesetz gegenüberstehen; sich nach Meinung einiger Autoren gar per se ausschließen1. Dennoch treffen die zwei so unterschiedlichen Bereiche spätestens dann zusammen wenn neben das schöngeistige Interesse der Wunsch nach Erwerb und Be-sitz tritt. Zum Zeitpunkt in dem der Schöpfer sein Werk veräußert und somit in den volkswirtschaftlichen Güterkreislauf entlässt wird die Schöpfung auch zum Handelsgut, das bestimmten Regeln des Kunstmarktes unterliegt. 

Picasso „Nude, Green Leaves and Bust“ – 106 Millionen Dollar – 05/2010
Picasso „Nude, Green Leaves and Bust“ – 106 Millionen Dollar – 05/2010 - Quelle:wikipedia.de

Florierende Märkte mit hohen Gewinnchancen waren stets Ausgangspunkt für findige Geschäftsleute aber auch solchen Personen, die auf andere, teilweise unredliche Weise versuchen, an den Erwerbschancen zu partizipieren. Der Kunstmarkt prosperiert seit Jahren und generiert beachtliche und steigende Umsätze, die beinahe inflationäre Höhen2 erreichen.

Verschiedene Faktoren trugen zu dieser Beflügelung der Preise in den letzten Jahrzehnten bei. Durch die Entwicklung der Informationsgesellschaft und die damit einhergehende Globalisierung ist auch die Teilhabe am internationalen Kunstmarkt nicht mehr durch die großen Entfernungen und Kommunikationshürden gebremst, die früher noch ein enges Beziehungsgeflecht erfordert haben, um Objekte bestimmter Künstler zu finden3. Die Interessenten und Teilnehmer an Kunstauktionen stammen aus aller Welt und auch die Informationen zu angebotenen Werken reichen weit über die Printausgaben von Auktionskatalogen hinaus.

Es hat sich daher ein Markt mit hoher Nachfrage nach einer elitären Handelsware herausgebildet, die von einem sehr eigentümlichen Charakter geprägt ist. Diesen macht vor allem die Seltenheit und knappe Verfügbarkeit der Schöpfungen aus, die als monopolistische Geistesprodukteeinzigartig4, unwiederholbar und unvermehrbar sind und neben ihnen nur imperfekte Substitute existieren. 

  • Rarität des Oeuvre
  • Seltenheit
  • Qualität ( Format, eingesetztes Material, verwendete Technik und deren Meisterhaftigkeit, Erhaltung / Restaurationen)

Dem Kunstkäufer geht es zumeist um den Erwerb eines bestimmten Werkes, dessen Zuordnung zu einem bestimmten Künstler oder Epoche ein wesentlicher Teil der Wertbildung ist. 

  • Besitz genau dieses Werkes

Daher ist nicht jedem die Produktion von neuen Kunstwerken, die von den Sammlern begehrt werden gegeben. 

Diese Konstellationen rufen Personen hervor, die begehrte Werke reproduzieren oder anderen einen falschen Urheber zuschreiben, um vom Begehr der Sammler und knappen Angebot zu profitieren.

 

 


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