Donnerstag, Juni 22, 2017
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Fotoklau - Verwendung fremder Bilder
Rechtsklick, Bild speichern unter und selbst hochladen... So schnell besorgen sich viele Internetnutzer die Bilder für die eigenen Interauktionen auf Ebay, Amazon & Co oder Fotos zur Illustration eigener Artikel. Dies wird oft als Fotoklau oder Bilderklau bezeichnet.
 
Ist das erlaubt? Meistens nein!
 
Der Fotograf hat an Fotos die Urheberrechte oder die Rechte eines Lichtbildners, da er der Schöpfer des Werkes oder Lichtbilds ist (§7 UrhG). Der Fotograf ist der Urheber eines Lichtwerkes (Foto), das je nach künstlerischem Gehalt als ein Lichtwerk oder zumindest Lichtbildnis einzustufen ist. Das Urheberrecht entsteht automatisch mit dem Anfertigen des Fotos. Eine Registrierung oder Eintragung wie bei Marken ist nicht erforderlich.

Lichtbildwerk und Lichtbild

Der wesentlichste Unterschied besteht darin, dass Lichtbildwerke eine besondere persönliche geistige Schöpfung sind (§2 UrhG), wohingegen auch die Schnappschüsse ein Lichtbild darstellen. Diese werden jedoch nicht gegen das Nachstellen geschützt, damit jedermann gewöhnliche Fotos auch weiterhin anfertigen kann. Außerdem beträgt die Schutzdauer nicht 70 Jahre wie bei den Werken 
Jedoch sind Lichtbilder gem. §72 UrhG im Bereich der verwandten Schutzrechte in geringerem Umfang geschützt. Sie dürfen nicht einfach von anderen Personen vervielfältigt (kopiert, "geklaut") oder veröffentlich werden.
 

Ausschliessliche Rechte des Fotografen

 
Ohne die Einräumung einer entsprechenden Lizenz darf nur der Fotograf folgende Rechte an seinem Foto wahrnehmen:
 
§12 UrhG - Das Veröffentlichungsrecht
 
§13 UrhG Das Recht auf Anerkennung der Urheberschft
Wesentlichster Aspekt dieses Punktes ist das Recht auf die Namensnennung am Werk. Der Fotograf kann also verlangen, dass am Bild kenntlich gemacht wird, dass er der Fotograf des Bildes ist.
Dieses Recht nimmt teilweise einen grotesken Umfang an wie in der Entscheidung des LG Köln, das verlangt, den Urheber im Bild selbst zu benennen, so dass auch der direkte isolierte Aufruf der Bild-Url den Fotografennamen mit anzeigt.
 
§14 UrhG Das Recht, dass sein Werk nicht entstellt oder beeinträchtigt wird
 
und 
§15 - 24 UrhG unter anderem das Recht zur Vervielfältigung (§16 UrhG), Verbreitung (§17 UrhG), Bearbeitung (§23 UrhG), öffentlichen Zugänglichmachung (§19a UrhG) - das betrifft die Veröffentlichung auf Internetseiten und Onlineauktionen wie eBay.
 

Übertragbarkeit des Urheberrechts / Lizenzierung

 
Das Urhberrecht selbst ist nicht übertragbar. Es können nur Nutzungsrechte, sogenannte Lizenzen eingeräumt werden. Diese können einen ganz unterschiedlichen Umfang haben. 
Insbesondere folgende Aspekte werden oft begrenzt:
  • zeitliche Dauer der Lizenz
  • räumlicher Bereich (nur in einem Land etc.)
  • Beschränkung auf Nutzungsarten (z.B. Nutzung für Print, Werbung, redaktionelle Zwecke, social Media)
  • hierzu zählt auch die Beschränkung der Medien
  • Einräumung von Bearbeitungsrechten
  • Verzicht auf Urheberbenennung
 

Vorgehen gegen Urheberrechtsverletzungen 

Wenn die Rechte des Fotografen ohne seine vorherige Zustimmung verletzt werden, z.B. durch die ungenehmigte Verwendung eines fremden Fotos, kann dieser von dem Verletzer ("dem Fotodieb") verlangen, dies zu unterlassen und Schadensersatz zu zahlen.
Dieses Recht wird zumeist durch eine Abmahnung, einstweilige Verfügung oder Klage durchgesetzt. Dies ist auch legitim, soweit es sich um berechtigte Ansprüche handelt.
 
Teilweise geschieht dies jedoch überzogen und völlig unverhältnismäßig. Das kann auch für den Fotografen dazu führen, dass seine unberechtigte Abmahnung für ihn Kosten verursacht. Wenn die beanspruchten Kosten richtig bemessen sind, kann der Fotograf seine legitem Rechtsverfolgungskosten vom Verletzer erstattet verlangen.
 
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Für den Abgemahnten hat vor allem die beigefügte Unterlassungserklärung unter Umständen sehr weit reichende Folgen. Die Unterlassungserklärungen ist zumeist weiter gefasst als notwendig. Sie stellen ein vertragliches Strafversprechen dar, dass 30 Jahre Gültigkeit hat und im Falle einer Wiederholung der bezeichneten Handlung die Strafe automatisch auslöst. Daher sollte hier im Zweifel sehr genau von einem Anwalt geprüft werden, welche Unterlassungserklärung abgegeben wird. Diese muss ausreichen, um eine Wiederholungsgefahr zu beseitigen, sollte aber nicht darüber hinaus gehen.
 
Weitere Informationen dazu, was eine Abmahnung bedeutet finden Sie in dem Artikel zu Abmahnungen auf der Kanzleiseite MRecht.de.
 

Worauf sollten Sie achten?

 
  1. Niemals fremde Bilder oder Fotos ohne vorherige Genehmigung benutzen!
  2. Wenn Sie fremde Bilder von "kostenlosen" Webseiten bekommen haben, lesen Sie die Nutzungsbedingungen und Lizenzen genau. Ist ihr beabsichtigte Verwendung mit umfasst? Müssen Sie etwas Besonderes bechten (z.B. Bezeichnung der Webseite Fotolia.de oder Pixelio.de am Bild)? Achtung: Social Media wie Facebook und Twitter sind oft ausgeschlossen und von den kostenlosen Lizenzen nicht umfasst. Aber auch oft bei Bezahl-Lizenzen nicht inbegriffen!
  3. Wenn Sie abgemahnt wurden, die Unterlassungserklärung genau prüfen. Nicht jede Abmahnung ist rechtmäßig und viele Unterlassungserklärungen zu weit gefasst mit weit reichenden Konsequenzen für die Zukunft.
  4. Wenn Ihre Rechte verletzt wurden, lassen Sie sich gut beraten, damit die Verletzungen abgestellt werden und Sie Ihrn Schaden und die Kosten für die Rechtsverfolgung ersetzt bekommen können.
Petja Schrödter
Autor: Petja SchrödterWebsite: http://www.mrecht.deE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Rechtsanwalt
Über den Autor
Rechtsanwalt Dipl. jur. Petja Schrödter ist spezialisiert im Bereich des Internet- und Medienrechts und bietet seinen Mandanten bundesweite Beratung aus seiner Kanzlei SCHRÖDTER in Köln an. Als Webdeveloper verfügt er über umfassende technische Kenntnisse, die es ihm ermöglichen, komplexe IT Sachverhalte rechtlich richtig zu erfassen.


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